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Ärztliche Versorgung des ländlichen Raumes dauerhaft im Blick halten

thumb TablettenDie CDU-Kreistagsfraktion hat sich in der Vergangenheit mehrfach mit dem Thema der ärztlichen Versorgung im Westerwald beschäftigt. So referierte beispielsweise im Rahmen der Impulse-Veranstaltungen in Hachenburg Herr Dr. Thomas Urbach, der neben seiner Tätigkeit als Hausarzt in Bad Marienberg, zeitweise Leiter der Stabsstelle hausärztliche Versorgung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Berlin war. Ein Fachgespräch mit Ärzten, Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung, der Kreisärztekammer,  der Krankenkassen und dem führenden Gesundheitspolitiker Jens Spahn MdB fand im Herz-Jesu-Krankenhaus in Dernbach statt. Ein weiterer Informationsaustausch fand mit dem Geschäftsführer der Diakonie in Südwestfalen,  Dr. Josef Rosenbauer statt. Bei Vor-Ort –Besuchen z.B. in der neu gebauten Gemeinschaftspraxis der Zahnärzte Dr. Schmidt und Dr. Friedrich konnte sich die Fraktion eine gelungene Lösung auf privater Basis anschauen.

Durch die Beteiligung in den Gremien, z.B. im Kuratorium des Krankenhauses Hachenburg ist die CDU-Fraktion auch in den aktuellen Fragestellungen rund um das Thema eingebunden.
Die Westerwälder Zeitung hat zu diesem Themenbereich Fragen an die Kreistagsfraktionen gerichtet. Nachfolgend veröffentlichen wir die ausführlichen Antworten seitens der CDU-Kreistagsfraktion:

Wie beurteilt Ihre Fraktion das aktuelle gesundheitliche Versorgungsangebot im Westerwaldkreis?
Im Westerwaldkreis praktizieren nach den Zahlen des statistischen Landesamtes Ende 2014 insgesamt 234 niedergelassene Ärzte davon 105 Allgemeinmediziner und 129 Fachärzte. Hinzu kommen 101 Zahnärzte und 42 Apotheken. Damit liegt der Westerwaldkreis über dem Durchschnitt der Landkreise in Rheinland-Pfalz.
Zudem gibt es 4 Krankenhäuser in Hachenburg, Montabaur, Dernbach und Selters, die über die Kreisgrenzen hinaus über Klinikverbünde auf weitere Einrichtungen zugreifen können (z.B. Hachenburg-Altenkirchen-Kirchen, Montabaur-Koblenz, Selters –Dierdorf). Von Bedeutung sind auch die Kliniken in der Nähe des Westerwaldkreises wie etwa in Limburg und Diez.
Neben flächendeckend vorhandenen Arztpraxen, Zahnärzten und Apotheken gibt es vielfältige private Gesundheitsangebote, insbesondere im Bereich der häuslichen und stationären Pflege.
Von daher ist die gesundheitliche Versorgung derzeit als gut einzustufen, wenngleich es örtliche Unterschiede gibt und sich einzelne Problemlagen abzeichnen.

Droht dem ländlichen Raum in absehbarerer Zeit ein medizinischer Kollaps?
Der „ländliche Raum“ ist so heterogen, dass es keine pauschale Antwort auf diese Frage gibt.
Im Rahmen der Impulse-Gespräche der CDU-Fraktion wurde die Altersstruktur der Allgemeinmediziner bereits thematisiert. Viele Ärzte sind über 60 Jahre alt, das gilt für den Westerwald ebenso wie für Rheinland-Pfalz und darüber hinaus.
Eine Umfrage unter Assistenzärzten an Westerwälder  Krankenhäusern ergab, dass sich viele Ärzte aufgrund von wirtschaftlicher Unsicherheit nicht im ländlichen Raum niederlassen wollen. Zudem habe man als Einzelkämpfer mit einer Praxis nicht so gute Chancen wie in einer Gemeinschafts- oder Schwerpunktpraxis.
Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Bürger in einzelnen Bereichen im Westerwald mittelfristig längere Anfahrtswege zu Ärzten und Gesundheitsdienstleistungen in Kauf nehmen müssen.
Grundsätzlich wird die Versorgung zukünftig in anderen Modellen (Gemeinschaftspraxen, angestellte Ärztinnen/Ärzte,  MVZ insbesondere in Verbindung mit den stationären Angeboten der Krankenhäuser) organisiert werden, aber ein medizinischer Kollaps zeichnet sich derzeit nicht ab.

Wieso wird es immer schwieriger, Ärzte für das Land zu begeistern?
Landärzte müssen oft mehr Patienten betreuen als ihre Kollegen in der Stadt. Hinzu kommen lange Anfahrtswege bei Hausbesuchen. Der Lebensalltag des „klassischen“ Landarztes, der quasi 24 Stunden täglich und 365 Tage im Jahr für seine Patienten verfügbar ist, ist mit den Lebensentwürfen angehender Ärzte häufig nicht in Einklang zu bringen. Stattdessen zeigt sich, wie in allen anderen Berufsgruppen, die berechtigte Erwartung den Umfang der Tätigkeit selbst zu bestimmen und auch Frei- und Auszeiten einzuplanen. Dies betrifft in besonderem Maße die Vereinbarkeit des Berufes mit Kindern und Familienzeiten.
In einer Impulse-Veranstaltung der CDU-Fraktion zum Thema Ärzteversorgung führte Dr. Thomas Urbach, der neben seiner Tätigkeit als Hausarzt in Bad Marienberg, zeitweise Leiter der Stabsstelle hausärztliche Versorgung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Berlin war,  zu dieser Frage aus, dass: „ein wesentliches Hemmnis für die Gewinnung einer größeren Anzahl von Hausärzten die gegenwärtige medizinische Aus- und Weiterbildung. Neben dem Mangel an Lehrstühlen für die Allgemeinmedizin sei auch kein eigener Schwerpunkt Allgemeinmedizin im Studium bzw. Praktischen Jahr vorhanden. Die Finanzierung der ambulanten Ausbildung müsse an die der stationären Ausbildung angepasst werden. Das Angebot an Ausbildungsplätzen und die Vernetzung der Weiterbildungsangebote müsse ebenfalls deutlich verbessert werden.“

An welchen Stellschrauben kann die Politik vor Ort drehen, um das medizinische Angebot künftig aufrechtzuerhalten, ggf. sogar zu verbessern?
In den vielen Gesprächen, die die CDU-Kreistagsfraktion in den letzten Jahren geführt hat, drehte es sich immer wieder um die gleichen Aspekte.  Um Ärzte zur Niederlassung im Westerwald zu bewegen, gilt es Anreize zu schaffen. Dies sind in erster Linie attraktive Lebens- und Arbeitsbedingungen am Praxisstandort. Dazu zählen Kinderbetreuung und schulische Angebote, aber auch kulturelle Aspekte und nicht zuletzt Arbeitsplätze für die Partner der Ärzte oder Ärztinnen, die zu uns kommen. In einzelnen Fällen kann auch eine finanzielle Förderung sinnvoll und nützlich sein. Man muss die Ansiedlung im Westerwaldkreis quasi durch eine Rundumversorgung schmackhaft machen.
Wichtig wäre es zudem, die medizinische Betreuung vor Ort mit Hilfe von Hausbesuchen durch ärztliche Assistenzkräfte und unter Nutzung von moderner Telemedizin zu optimieren. Damit könnten insbesondere den älteren Bürgerinnen und Bürgern der Weg zur Praxis erspart werden.
Mit dem gleichen Ziel könnten auch flexible Sprechstundenlösungen in Räumlichkeiten  der Kommunen ermöglicht werden.

 Wer gehört noch mit ins Boot, um den ländlichen Raum nicht von einer medizinischen Grundversorgung abzunabeln?
Die Bundesregierung hat in einigen Bereichen schon reagiert und unterstützt aus einem Innovationsfonds, der in den Jahren 2016 bis 2019 mit jährlich 300 Millionen Euro bestückt wird, die Entwicklung neuer Versorgungsmodelle – beispielsweise für die Telemedizin oder den Ausbau der geriatrischen Versorgung. Mehr Hausärzte sollen eine geförderte Weiterbildung erhalten.
Im überregionalen Bereich sind dies auf jeden Fall die kassenärztlichen Vereinigungen, die Bezirksärztekammer und das Land. Die Kassenärztliche Vereinigung spielt dabei die wesentliche Rolle bei der Zuteilung von Kassenzulassungen. Auch für sehr aktive Kommunen sind die Entscheidungswege nicht immer nachvollziehbar und auch wenn die Voraussetzungen vor Ort geschaffen würden, hat die KV das letzte Wort.
Darüber hinaus ist das Land gefordert, ausreichende Studienplätze für Allgemeinmedizin einzurichten, um eine adäquate Anzahl von „Landärzten“ auch auszubilden. Insgesamt muss das Land seiner Verantwortung in der medizinischen Versorgung gerecht werden, einzelne Pilotprojekte allein schaffen keine flächendeckende Versorgung.
Aus regionaler Sicht ist ein ständiger Dialog und ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen den Hausärzten, den Fachärzten sowie der Ärzteschaft bzw. dem Träger der heimischen Krankenhäuser zu pflegen. Der ärztliche Notdienst wird in den meisten Fällen in Nachbarschaft zu einem Krankenhaus stattfinden müssen.
Trotz der Konkurrenzsituation zwischen den Krankenhausträgern sollte es ein gemeinsames Bestreben sein, möglichst die gesamte Palette der medizinischen Versorgung auch im ländlichen Raum zu erhalten bzw. zu stärken. Nicht in jedem Krankenhaus kann Alles angeboten werden, Schwerpunkte sind unweigerlich zu bilden.